Ziele und Perspektiven
Die Forschung im Bereich Sprachkompetenz ist in den letzten Jahren intensiv vorangekommen. So sind Erkenntnisse gewonnen worden, wonach sich bei Kindern die Sprachfähigkeit schon sehr früh, noch bevor sie selber Worte formulieren, entwickelt. Diese Entwicklung geht langsam voran, wie ein Keimling, der zu einem Baum heranwächst. Der kleine Baum braucht Pflege, Licht, Wasser und Wärme, Kinder brauchen Geborgenheit und sprachliche Anregungen der Eltern: Eltern sollen mit den Kleinen in der Sprache sprechen, die ihnen vertraut ist und die sie am besten beherrschen. Sicherheit im sprachlichen Umgang wirkt sich auf die gesamte Entwicklung des Kindes positiv aus und stärkt Identität. Wichtig dabei ist, dass eine Person eine Sprache spricht (immer die gleiche Sprache sollte möglichst von derselben Bezugsperson gesprochen werden).
- Das Kind braucht vielfältige sprachliche Anregung in seiner Erstsprache: Verse, Lieder, Bilderbücher, Geschichten.
- Studien haben vielfach belegt, dass die Beherrschung der Erstsprache eine wichtige Voraussetzung ist, um eine zweite Sprache erwerben zu können.
- Ausserdem hat sich gezeigt, dass Kinder, die vielfältige sprachliche Anregungen erhalten haben und von klein an mit Geschichten und Bilderbüchern aufwachsen, später leichter lesen und schreiben lernen. Damit wird deutlich, dass das Lesen lernen lange vor der eigentlichen Alphabetisierung in der Schule beginnt.
- Um eine Sprache in ihrer Vielfalt zu pflegen, den Sprachschatz stetig zu erweitern und zu vertiefen, bieten sich vor allem bei Kindern Bücher an.
- Die interkulturellen Bibliotheken reagieren auf diese neuen Erkenntnisse und Bedürfnisse und stellen Bücher in den verschiedenen Sprachen der fremdsprachigen Bevölkerung und ihrer Kinder zur Verfügung. Es sind Bücher für Kinder und Jugendliche, aber auch für Erwachsene, denn die Eltern gelten den Kindern als Lesevorbilder.
- Die interkulturellen Bibliotheken leisten einen unschätzbaren Beitrag zur Sprach- und späteren Lesekompetenz der Kinder, die mit zwei oder mehr Sprachen aufwachsen.
- Die interkulturellen Bibliotheken leisten einen wesentlichen Beitrag zur Integration. Der hohe Stellenwert von Kultur und Sprache der Menschen aus fremden Gesellschaften in den interkulturellen Bibliotheken schafft ein Gefühl des Zuhauseseins und fördert das Selbstbewusstsein. Die Wertschätzung einer Sprache ist auch eine Wertschätzung der entsprechenden Kultur.
- Die Verantwortlichen der interkulturellen Bibliotheken und des Dachverbandes sind sich ihrer wichtigen Rolle bewusst und bemühen sich, ihre Kenntnisse in Fortbildungskursen zu vertiefen.
- Um Kontinuität und Weiterentwicklung in den Bibliotheken zu gewährleisten, will der Dachverband VBOGS deren Tätigkeiten vermehrt sichtbar machen. Die meist ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen erfahren Anerkennung für ihre wichtige Arbeit, und ihre Kenntnisse können weitergegeben werden.
- Der VBOGS bemüht sich, den Dialog mit allen Bibliotheken zu suchen und wenn möglich gemeinsame Aktivitäten zu planen.
